Vertraulichkeit und Verschwiegenheitspflicht in der Mediation – ein unschätzbarer Vorteil!
- Dr. Sabine Renken

- 12. Sept. 2025
- 1 Min. Lesezeit
Vertraulichkeit ist eine wichtige Voraussetzung für eine gelungene Mediation. Denn sie schafft den geschützten Raum, den es braucht, damit die Parteien über alles reden können, ohne befürchten zu müssen, dass ihre Äußerungen später gegen sie oder überhaupt öffentlich verwendet werden können. Ohne diesen angstfreien Raum ist es schwer bis unmöglich, die von den Positionen oft verdeckten eigentlichen Interessen und Bedürfnisse offenzulegen und so manchmal überraschende und überraschend gute Lösungen zu finden. Vertraulichkeit ist ein großer Vorteil des Verfahrens. In manchen Streitigkeiten ist es für alle Parteien wirklich wichtig, dass die dazugehörigen Informationen nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Und in einem staatlichen Gerichtsprozess ist das schon wegen des Prinzips der Öffentlichkeit mündlicher Verhandlungen eben nicht gewährleistet. Deshalb ist es eine wichtige Grundregel, Vertraulichkeit im Mediationsvertrag zu vereinbaren – Achtung: das ist nicht gesetzlich vorgeschrieben.
Die Verschwiegenheitspflicht für den Mediator steht dagegen im Gesetz, nämlich in § 4 S. 1 MediationsG, und bezieht sich auf alles, was dem Mediator während der Verhandlungen bekannt geworden ist - im Zweifel sogar darauf, dass er (oder sie) mit dem Fall befasst ist. Ein als Rechtsanwalt zugelassener Mediator ist auch nach der Bundesrechtsanwaltsordnung zur Verschwiegenheit verpflichtet. Und er muss grundsätzlich auch das für sich behalten, was in Einzelgesprächen besprochen wird. Das stellt gelegentlich hohe Anforderungen an Takt und Geschick des Mediators - manchmal ist es doch wichtig, dass Dinge angesprochen werden, auch wenn jemand das schwierig findet.
Die Mediation gibt den Konfliktparteien damit Gelegenheit, sich außerhalb jeder Öffentlichkeit zu bewegen – was ja heutzutage nicht selbstverständlich ist. Das kann enorm helfen, Vertrauen aufzubauen und aufgrund dieses Vertrauens im so geschützten Raum auch über außergewöhnliche Lösungen nachzudenken.


