Humor in der Mediation?
- Dr. Sabine Renken

- 20. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Okt. 2025

Humor bereichert unser Leben, immer. Aber in einem Konflikt kann man manchmal überhaupt nichts Komisches finden – im Gegenteil. Streitigkeiten sind meistens eher von Humorlosigkeit geprägt, das liegt in der Natur der Sache.
Aber Humor kann ein wichtiges Element in der Mediation sein. Als Mediator/in kann und darf man auch schon mal ungewöhnliche Interventionen anwenden. Gerade Humor kann einen Beitrag dazu leisten, festgefahrene Situationen und Konflikte aufzubrechen. Manchmal werden die Parteien einfach entspannter, wenn sie gemeinsam über etwas schmunzeln können. Auf die komischen Seiten eines Konfliktes zu schauen, hilft auch, mehr Distanz zu den Problemen zu bekommen, und den Blick wieder auf das große Ganze zu lenken.
Wichtig ist allerdings, dass der Mediator dabei immer seine Haltung behält, also den Respekt für die Beteiligten, deren Bedürfnisse und Gefühle nicht verliert. Das Ziel aller Interventionstechniken in der Mediation muss immer sein, das Vertrauen der Konfliktparteien in den Mediator zu bewahren oder gar zu stärken. Daher darf der Spaß niemals auf Kosten nur einer Seite gehen, die sich sonst leicht verunsichert und hintergangen fühlen kann. Natürlich muss der Mediator auch wissen, wann Humor nicht angebracht ist, nämlich zumindest immer dann, wenn eine oder beide Parteien persönlich sehr betroffen oder verletzbar sind. Wenn man Humor in die Mediation bringen möchte, muss man vorsichtig, sensibel und (selbst-)reflexiv sein, damit die Intervention niemanden irritiert oder stört.
Durch Humor ein bisschen Distanz zu den konfliktbeladenen Themen zu schaffen, kann im Prozess auch dabei helfen, eine Grundlage für besseres gegenseitiges und genaues Zuhören zu schaffen. Der Mediator kann auch mit Metaphern arbeiten, wenn das die Parteien anspricht – das kann einen Perspektivwechsel erleichtern. Systemische Perspektiven, humorvoll verpackt, helfen gelegentlich, Distanz zur Sache zu schaffen und die Beziehungen zwischen den Parteien zu entschärfen.
Last not least darf auch der Mediator sich selbst nicht zu ernst nehmen – das trägt erfahrungsgemäß zur Entspannung bei!


