Was hat Freundlichkeit mit Mediation zu tun?
- Dr. Sabine Renken

- 10. Sept. 2025
- 1 Min. Lesezeit
Vor kurzer Zeit habe ich ein Buch besprochen: „Radikale Freundlichkeit“ von Nora Blum. Es hat mir gut gefallen (die Rezension ist in der ZEITSCHRIFT FÜR KONFLIKTMANAGEMENT 3/2025, 111 f. erschienen. Leider kann ich das hier nicht verlinken, weil es hinter einer Bezahlschranke liegt).
Der englische Psychologe David Canter definiert Freundlichkeit als wohlwollende Toleranz, Empathie und proaktives Handeln. Das ist mehr als reine Höflichkeit. Freundlichkeit meint auch Empathie, das heißt die eigenen Emotionen neben denen der anderen authentisch und einfühlsam berücksichtigen zu können.
Und das ist ein entscheidendes Tool in der Mediation. Ohne Authentizität und Einfühlsamkeit geht Mediation nicht. Der Mediator muss allen Parteien emphatisch entgegentreten, denn nur dann verstehen sie, was ihren Konfliktpartner an- und umtreibt. Durch einfühlsames Fragen und vorsichtiges (Um-)Formulieren der einzelnen Standpunkte macht der Mediator der jeweils anderen Partei klar, worum es in dem Konflikt eigentlich geht – denn die Streitenden müssen erst wieder lernen, einander zuzuhören und sich gegenseitig zu verstehen. Oft ist das deutlich mehr, als am Anfang einer Mediation scheinen will. Und das gilt keinesfalls nur für Familienkonflikte, sondern auch in wirtschaftsrechtlichen Streitigkeiten, wie zum Beispiel zwischen Gesellschaftern, aber auch bei Konflikten am Bau, wo man sich ohne große Reibungsverluste nicht so einfach trennen kann. Was man dafür braucht? Freundlichkeit, zum Beispiel!
